Biosemiotik
Dr. Joachim Schult, Heimgarten Gymnasium Ahrensburg
ls Wissenschaft von den Zeichenprozessen untersucht die Semiotik alle Arten von Kommunikation. Daher ist in den Kommunikationswissenschaften und in der Linguistik die Bedeutung dieses Ansatzes inzwischen unumstritten. Bei Biologen allerdings finden die semiotischen Systeme bisher relativ wenig Beachtung. Umgekehrt ist das Bestreben, biologische Erkenntnisse in die Semiotik zu integrieren, von Seiten der Semiotik durchaus vorhanden. Hier liegt das Problem eher in der Tatsache, dass oft die aktuellen Probleme der Biologie nicht genügend berücksichtigt werden. Hier zeigt sich die dringende Notwendigkeit einer interdisziplinären Zusammenarbeit. Neue Impulse bekam die Diskussion über die Anwendung semiotischer Prinzipien auf biologische Fragestellungen und Problemlösungen mit dem Anstieg der Bedeutung von "modernen" Disziplinen wie Neurophysiologie und Molekularbiologie. Hier zeigten sich am deutlichsten die Grenzen des konventionellen reduktionistischen Ansatzes und damit die Notwendigkeit einer theoretischen Basis, die die Dynamik hochkomplexer Systeme mit ihrer großen Zahl von Interaktionen und damit die Bedeutung der Relationen der Systemkomponenten berücksichtigt. Eben diese Dominanz der Dynamik und Rationalität entspricht den Prinzipien der Semiotik. Autoren wie Jerne und Basar stellen dieselben Forderungen, ohne sich explizit auf die Semiotik zu beziehen. Trotzdem hat auch in Zusammenhang mit dieser Entwicklung die Semiotik kaum Eingang in die Biologie gefunden, insbesondere was einen direkten Einfluss des semiotischen Ansatzes auf die spezifisch biologisch praktische Forschung anbetrifft. Ein Grund dafür ist, dass ein wissenschaftliches Modell, dessen Praxisbezug nicht deutlich wird, nicht angenommen werden wird.
Ein Schritt zur Lösung dieses Problem soll der vorliegende Band sein. Dazu war es besonders wichtig, Wissenschaftler aus beiden Bereichen, der Biologie sowie der Semiotik, dazu zu gewinnen, Beiträge zu diesem Band zu liefern, und ihnen hier eine Gelegenheit zu geben, die jeweils aktuellen Probleme, hier exemplarisch aus der zoologischen Systematik, zu schildern, und so die Diskussion konkreter Lösungsmöglichkeiten zu initiieren.
Ein Charakteristikum dieses Bandes ist also eine echte Interdisziplinarität, d. h. die Beteiligung von Wissenschaftlern aus beiden Wissenschaftsbereichen, der Philosophie (Semiotik) und der Biologie. Dadurch wurde eine direkte Interaktion gewährleistet, die Voraussetzung für eine nachhaltige Diskussion und gegenseitige Akzeptanz ist.
Die Ergebnisse des zu diesem Thema an der Universität Jena durchgeführten Workshops wurden in einem Tagungsband publiziert:
"Biosemiotik - praktische Anwendung und Konsequenzen für die Einzelwissenschaften"
VWB Verlag für Wissenschaft und Bildung, Berlin
ISBN 3-86135-353-9
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